Führerschein Kategorie B: Der Weg durch Theorie- und Fahrprüfung in der Schweiz
Von der Anmeldung bis zum Lernfahrausweis
Bevor Sie zum ersten Mal hinters Steuer dürfen, müssen Sie beim Strassenverkehrsamt Ihres Wohnkantons einen Lernfahrausweis beantragen. Dieser ist für die Kategorie B (Auto) frühestens ab dem 17. Geburtstag gültig, die Basistheorieprüfung können Sie jedoch bereits einen Monat vorher absolvieren.
Zur Beantragung benötigen Sie:
- Einen gültigen Nothelferkurs (nicht älter als 6 Jahre)
- Einen ausgefüllten Sehtest (ca. CHF 10 bei jedem Optiker)
- Das Gesuchsformular Ihres Kantons
- Ein farbiges Passfoto und Ihre ID
Nach Einreichung erhalten Sie die Unterlagen zur Anmeldung zur Theorieprüfung per Post. In einigen Kantonen wie Zürich ist seit Sommer 2024 eine Spontanprüfung während der Öffnungszeiten möglich, während andere Kantone eine Voranmeldung verlangen.
Die Theorieprüfung: Vorbereitung und Ablauf
Die Auto-Theorieprüfung ist identisch mit der Basistheorieprüfung für Motorrad (Kategorie A1). Sie besteht aus 50 Fragen, die zufällig aus einem Pool von 300 Fragen zu den Themen Signale, Manöver, Verkehr, Fahrzeuglenker und Fahrzeug gezogen werden. Sie haben maximal 45 Minuten Zeit und dürfen maximal 15 Fehlerpunkte sammeln, wobei eine falsch beantwortete Frage bis zu 3 Punkte kosten kann.
Seit dem 1. Januar 2021 ist die bestandene Theorieprüfung unbegrenzt gültig. Die Prüfung ist in den vier Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar.
Lern-Apps im Vergleich
Für die Vorbereitung werden etwa 5 bis 10 Stunden Lernzeit empfohlen. Da 80 Prozent der Theoriefragen öffentlich zugänglich sind, bieten verschiedene Apps lizenzierte Fragen der asa (Vereinigung der Strassenverkehrsämter) an:
| App | Kosten | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Easytheory | Gratis | Aufwändige Bilder, Erklärungen mit Gesetzesverweisen |
| Fahrlehrer24 | CHF 18 | Sehr beliebt, beste Bewertungen, mehrsprachig |
| Theorie24 | CHF 24 | Beste Englisch-Übersetzung, Game-Modus |
| Dinitheorie | CHF 9 | Von Fahrlehrern entwickelt, Turbo-Prüfung |
Die Praktische Fahrprüfung
Nach bestandener Theorie und erfolgreichem Abschluss der Fahrausbildung folgt die praktische Prüfung. Seit März 2024 muss diese für die Kategorie B mindestens 45 Minuten im öffentlichen Strassenverkehr dauern. Ab 1. Juli 2025 werden zudem Kenntnisse zu Fahrerassistenzsystemen geprüft, wie das Bundesamt für Strassen auf www.smartrider.ch erklärt.
Die Prüfung findet mit einer Verkehrsexpertin oder einem Experten des Strassenverkehrsamts statt, nicht mit Ihrem Fahrlehrer. Sie beginnt oft mit technischen Fragen zum Fahrzeug, gefolgt von verschiedenen Fahraufgaben wie Kreiselfahrten, Überholen, Autobahnfahrt sowie Vorwärts- und Rückwärtsparkieren.
Häufige Mythen und Fakten
Viele Prüflinge machen sich unnötig Sorgen wegen falscher Annahmen:
- Mythe: Experten dürfen nur eine bestimmte Anzahl bestehen lassen. Fakt: Es gibt keine Quote. Zählt allein die sichere Fahrweise.
- Mythe: Die Tageszeit ist entscheidend. Fakt: Die Bewertung ist unabhängig von der Uhrzeit.
- Mythe: Wer den Motor abwürgt, fällt durch. Fakt: Die Gesamtbeurteilung zählt, einzelne kleine Fehler sind nicht kritisch.
- Mythe: Wenige Fahrstunden erhöhen das Durchfallrisiko. Fakt: Der Prüfer kennt die Anzahl Fahrstunden nicht.
Kritische Fehler, die zum sofortigen Durchfall führen, sind das Überfahren roter Ampeln oder Sicherheitslinien, schwere Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer.
Kosten und Erfolgschancen
Die Kosten für den Führerausweis der Kategorie B variieren je nach Region und individuellem Lernfortschritt. Insgesamt müssen Sie mit 2200 bis 3500 Franken rechnen, inklusive durchschnittlich 18 bis 32 Fahrstunden, Nothelferkurs, Verkehrskundeunterricht (VKU) und Prüfungsgebühren. Die praktische Prüfung allein kostet zwischen CHF 120 und CHF 135.
Laut der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (asa) lagen die Erfolgsquoten 2023 bei:
- Theorieprüfung: Durchschnittlich 1,44 Anläufe nötig
- Praktische Prüfung: 64,3 Prozent bestehen beim ersten Anlauf, durchschnittlich 1,48 Anläufe insgesamt
Aufgrund von Personalmangel bei den Prüfungsexperten kommt es derzeit zu Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Monaten in Zürich und bis zu zwei Monaten in Bern, Solothurn, Aargau, Zug und St. Gallen.
Nicht bestanden: Was nun?
Fällt ein Kandidat durch die praktische Prüfung, stehen ihm regulär vier Versuche zu:
- Erster und zweiter Versuch: Nach mindestens 10 Arbeitstagen Wartezeit kann die Prüfung wiederholt werden. Ab dem zweiten Versuch benötigen Sie eine schriftliche Bestätigung der Fahrschule über den abgeschlossenen Kurs.
- Dritter Versuch: Eine Fahreignungsabklärung am Computer ist obligatorisch. Diese testet Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Reaktionsverhalten und Belastbarkeit.
- Vierter Versuch: Nur nach positivem verkehrspsychologischem Gutachten möglich.
Scheitert auch der vierte Versuch, wird der Lernfahrausweis entzogen. Eine neue Anmeldung ist frühestens nach zwei Jahren Sperrfrist möglich.
Nach dem Bestehen: Die Probezeit
Bei erfolgreicher Prüfung erhalten Sie den Führerausweis auf Probe für drei Jahre. Innerhalb von 12 Monaten müssen Sie den obligatorischen Weiterbildungskurs (WAB) absolvieren.